Drei Fragen an: Hyoung-Min Kim

Hyoung-Min Kim ist Gründungsmitglied des Künstlerkollektivs 5Edges, das seinen Sitz in Deutschland und Südkorea hat. Durch interdisziplinäre Kooperationen untersucht das Kollektiv den Körper innerhalb sozialer und politischer Strukturen und schafft dabei Performances und künstlerische Forschungsarbeiten, die die Beziehungen zwischen Macht, Wahrnehmung und verkörperter Erfahrung erforschen.

Hyoung-Min Kim, was hat euch dazu inspiriert, 5Edges zu gründen?

Wir arbeiteten bereits seit mehr als zehn Jahren zusammen. Doch die Arbeitssituation als freischaffende Kunsttätige ist oft prekär, und wir hatten das Gefühl, dass wir eine Form der Solidarität brauchten, um uns gegenseitig zu unterstützen. Da unser Leben und unsere künstlerische Praxis in Korea und Deutschland immer enger miteinander verflochten waren, verspürten wir zudem den Wunsch, etwas zu schaffen, das uns zusammenhält. Dieser Wunsch führte schließlich dazu, dass wir 5Edges gründeten.

Worauf können sich Besuchende freuen, wenn sie „The Song of the Zone“ sehen?

Es gibt so viele politische Themen, von denen erwartet wird, dass wir ihnen Gehör schenken und uns dazu äußern. Anstatt diese Themen in dieser Performance direkt zu diskutieren, möchte ich den Fokus auf unsere Körper legen, die ständig mit ihnen in Wechselwirkung stehen und auf sie reagieren.
Ich hoffe, dass wir die subtilen Bewegungen und Geräusche des Körpers wahrnehmen und beobachten können – diejenigen, die nicht so leicht zu hören oder zu sehen, aber als Teil eines eigenständigen, lebendigen Organismus ständig am Werk sind. Durch die Performance versuchen wir, diese Bewegungen und Geräusche spürbar zu machen.
Gleichzeitig sind der performende Körper und die Choreografie fragil und abhängig von den jeweiligen Bedingungen, unter denen wir auftreten. Der Klang wird durch den Raum, die Körperhaltung und viele andere Faktoren beeinflusst. Die Bewegungen hängen von Erinnerungen und Entscheidungen ab, die genau in diesem Moment entstehen. Die Darstellerin versetzt den Körper in diese prekäre Situation und achtet darauf, was sich entfaltet. Wir spielen mit dieser Ungewissheit und Zerbrechlichkeit – und vielleicht kann gerade die Art und Weise, wie der Körper unter diesen Bedingungen Entscheidungen trifft und reagiert, selbst zu einer Quelle der Stärke werden.

Gibt es etwas Bestimmtes, das euch von einer eurer Aufführungen besonders in Erinnerung geblieben ist?

In einer meiner früheren Produktionen habe ich mich mit Zensur und Selbstzensur auseinandergesetzt – ausgelöst durch den Skandal um die schwarze Liste koreanischer Kunsttätiger und andere Fälle politischer Unterdrückung. In der Performance spielten wir mit Bewegungsmeldern und versuchten, uns zu bewegen, ohne von ihnen erfasst zu werden. Ich hielt eine stille Rede, während mein Mitwirkender Gabriel versuchte, die Namen von politisch aktiven Menschen zu enthüllen, die von der kolumbianischen Regierung getötet worden waren. Während einer Aufführung brannte eine Leuchte plötzlich durch, während er diese Namen nannte, und funktionierte überhaupt nicht mehr. Es war ein Zufall, aber irgendwie hatten wir das Gefühl, dass die Aufführung zu etwas mehr geworden war, als sie eigentlich war – zu etwas, das wir nicht ganz benennen oder erklären konnten. Eine Performance kann manchmal über unsere Absichten hinausgehen, etwas bewirken und eine eigene Dynamik entwickeln.

Veranstaltungstipp:

„The Song of the Zone“ ist eine Performance und ein künstlerisches Forschungsprojekt, das den Körper als lebendigen Organismus mit autonomen Existenzprinzipien untersucht. Statt den Körper vor allem durch Systeme der Militarisierung, Überwachung, Zensur oder politischen Kontrolle zu betrachten, fragt die Arbeit danach, wie die körpereigenen Mechanismen das Leben unabhängig von diesen äußeren Strukturen aufrechterhalten. Mit Bewegung, Klang, Raum, Video und Licht versucht „The Song of the Zone“, Bedingungen zu schaffen, unter denen dieser autonome Körper sichtbar und hörbar werden kann.

👉 https://w3-hamburg.de/termin/the-song-of-the-zone/