Drei Fragen an: Dayan Kodua

Dayan Kodua (sie/ihr) ist Schauspielerin, Sprecherin, Autorin sowie Gründerin und Verlegerin des Gratitude Verlags. Sie wurde in Ghana geboren und wuchs in Kiel auf. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen Identität, Zugehörigkeit, Empowerment und die Sichtbarkeit Schwarzer Menschen und People of Color. 2014 veröffentlichte sie den Bildband „My Black Skin – Schwarz. Erfolgreich. Deutsch.“, begleitet von einer Wanderausstellung und zahlreichen Workshops. 2019 gründete sie den Gratitude Verlag. Dort veröffentlicht sie vielfältige Kinder- und Jugendbücher, die neue Perspektiven eröffnen und Kindern positive Identifikationsfiguren geben. Mit ihrer Arbeit schafft Dayan Kodua Räume, in denen unterschiedliche Lebensrealitäten nicht am Rand stehen, sondern selbstverständlich Teil unserer gemeinsamen Geschichte sind.

Liebe Dayan, welche Herausforderungen erleben Communityräume aktuell?

Communityräume sind unglaublich wichtig. Sie schaffen Begegnung, Zugehörigkeit und Empowerment. Gleichzeitig kämpfen viele mit fehlender Finanzierung, mangelnder Sichtbarkeit und zu wenig gesellschaftlicher Anerkennung. Oft müssen gerade marginalisierte Communitys immer wieder erklären, warum sie solche Räume überhaupt brauchen. Dabei sollte es selbstverständlich sein, dass alle Menschen Orte brauchen, an denen sie sich sicher, willkommen und gesehen fühlen.

Was geht verloren, wenn Menschen keine Räume haben, in denen sie ihre Erfahrungen und Perspektiven teilen können?

Es geht unglaublich viel verloren: Identität, Selbstvertrauen, Verbundenheit und vor allem das Gefühl, dazuzugehören.

Ich sage immer: Wir alle brauchen Spiegel und Fenster. Spiegel, in denen wir uns selbst erkennen, und Fenster, durch die wir andere Lebensrealitäten kennenlernen.

Genau das ist auch die Philosophie meines Gratitude Verlags. Wenn Menschen und ihre Geschichten unsichtbar bleiben, verlieren wir als Gesellschaft wertvolle Perspektiven. Vielfalt ist kein Extra. Sie ist unsere Realität.

Kannst du dich an einen Raum erinnern, in dem du dich das erste Mal wirklich gesehen, verstanden oder zugehörig gefühlt hast?

Für mich ist dieses Gefühl weniger an einen bestimmten Raum gebunden, sondern vielmehr an Begegnungen mit Menschen. An Momente, in denen ich einfach ich selbst sein kann, ohne mich erklären, rechtfertigen oder anpassen zu müssen.

Und das können Begegnungen mit Schwarzen Menschen sein, genauso aber auch mit weißen Menschen. Eine gemeinsame Hautfarbe bedeutet schließlich nicht automatisch, dass man sich verstanden oder zugehörig fühlt. Für mich sind es Offenheit, gegenseitiger Respekt und echtes Interesse am Menschen, die dieses Gefühl entstehen lassen.

Veranstaltungstipp:

Decolonial Dialogues –Where Do We Belong?

Was braucht es, damit Schwarze, migrantische und diasporische Menschen Räume in Hamburg nicht nur betreten, sondern sie aktiv mitgestalten und prägen können? Darüber sprechen wir mit Dayan Kodua und Lubi Barre. Gemeinsam wollen wir uns damit beschäftigen, wie Safer Spaces entstehen, welche Bedeutung sie für Schwarze, migrantische und diasporische Communities haben und was notwendig ist, damit sie langfristig bestehen können. Auch Erfahrungen, Fragen und Perspektiven aus dem Publikum fließen in das Gespräch ein.

👉 https://w3-hamburg.de/termin/decolonial-dialogues-where-do-we-belong/