Drei Fragen an: Simoné Goldschmidt-Lechner

Simoné Goldschmidt-Lechner (sgl) schreibt, übersetzt, veranstaltet und macht interdisziplinäre Kunst. Ihr erster Roman Messer, Zungen erschien 2022. Für die 2024 erschienene zweisprachige Novelle Ich kann dich noch sehen (an diesen Tagen) erhielt sie den Hamburger Literaturpreis als Buch des Jahres 2024. Simoné nutzt Wortkunst als gesellschaftliche Intervention und zeigt in unterschiedlichen Genren marginalisierte Perspektiven auf. So auch in ihrem 2025 erschienen Sachbuch Nerd Girl Magic, einem Buch über Fandom aus marginalisierter Perspektive.

Liebe Simoné, wie seid ihr auf die Idee für das Projekt Love & Literature gekommen?
Love & Literature ist konzipiert als ein genreübergreifendes Literaturprojekt. Das Festival bildet hierzu die Auftaktveranstaltung. Genreliteratur und Gegenwartsliteratur finden meistens getrennt voneinander statt, die Genreliteratur gilt dabei als weniger „vollwertig“, die Gegenwartsliteratur aus Sicht spekulativer Fiktion zuweilen als zu „verkopft“. Dass es diese Trennung gibt, stört uns schon lange, weil wir glauben, dass beides gemeinsam stattfinden kann und sollte – und dass diese Grenzen, die es vor allem im deutschsprachigen Raum gibt, aufgehoben werden müssen! Zudem begreifen wir auch z. B. Film und Videospiele als Formen, in denen kreatives und literarisches Schreiben stattfindet. Gerade in Videospielen wird die erzählerische Vielfalt aber häufig nicht als solche wahrgenommen. Und dass Lyriker*innen vom Literaturbetrieb zwar respektiert werden, aber nicht davon leben können sollen, ist eine Überzeugung, die Kunst auf eine bestimmte Klasse beschränkt.

Wie habt ihr die Autor*innen und Programmpunkte ausgewählt? 
Wir haben Personen gewählt, deren Schreiben und Kunst wir einerseits besonders schätzen, aber auch Personen, die sonst weniger die Chance haben, auf der Bühne zu sein. Neben etablierten Stimmen gibt es emerging voices, Personen aus verschiedenen Genres. Die Positionierung der Schreibenden war uns auch wichtig: Es gibt sehr viele rassifizierte und queere Autor*innen. Wir haben überlegt, welche Panels gemeinsam Sinn ergeben würden, jeder Tag hat ein übergeordnetes Konzept. Am Donnerstag geht es um Überwindung, Transition, Transformation und Liebe, am Freitag um Widerstand und Revolution, am Samstag um das Sprechen, Handlungsfähigkeit und Entscheidungen und am Sonntag um Utopien und Hoffnung. Werft gerne einen Blick in unser Programm: www.loveandliterature.de/line-up.

Am 13. August startet ja die erste Ausgabe eures Literaturfestivals. Auf welche Highlights freust du dich besonders? 
Ich freue mich auf alle Veranstaltungen wirklich und ehrlich gleichermaßen, daher würde ich da gar keine Hierarchisierung vornehmen. Was ganz neu ist, ist das englischsprachige Panel am 15. August: Questioning the Rules of the Game. Das moderiere ich auch; Karina Papp wird als Gegenwartsliteratin mir Anca Tutescu und Jan Barow vom Indie-Videospiel-Studio Symmetry Break sprechen. Die Performance am Samstagabend mit Monique Smith-McDowell, Kelvin Kilonzo und Carlos Andrés Rico ist 45 Minuten lang, wird sehr schön und ist kostenfrei für nicht-weiße Personen. Und ich freue mich sehr über alle Autor*innen der spekulativen Fiktion, also z. B. Freya Petersen, James A. Sullivan, Judith und Christian Vogt, Nora Bendzko, Aiki Mira, Lena Richter, Noah Stoffers und Brian Frank im Kontext mit Diskursen, die eher der Gegenwartsliteratur zugeordnet werden.

Veranstaltungstipp:

Beyond Borders: Love & Literature bildet den Auftakt für ein nachhaltiges, genreübergreifendes Onlineberatungsangebot für Schreibende. Mit einer Vielzahl von Gäst*innen möchte das Festival etablierte Genrekonventionen aufbrechen und marginalisierte Stimmen im Literaturbetrieb sichtbar machen.

Auf der Bühne finden Vertreter*innen unterschiedlicher Medien nebeneinander statt: Größen der Gegenwartsliteratur treffen auf Schreibende der progressiven Phantastik, Entwickler*innen von Videospielen auf Filmschaffende, Lyrik auf Sci-Fi und Drama auf Comics, Manga und Graphic Novels.

Wir laden euch herzlich ein, an diesem tollen Festival teilzunehmen, über literarische Grenzen hinauszudenken und gemeinsam neue Narrative zu schaffen:

👉 https://w3-hamburg.de/termin/beyond-borders-love-and-literature/